Archiv
Bundessortenamt – Lexikonartikel
Das Bundessortenamt (BSA) ist eine selbstständige deutsche Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Das 1953 gegründete Amt hat seinen Sitz in Hannover und unterhält 13 Prüfstellen in Deutschland.
Das BSA ist zuständig für die Zulassung von Pflanzensorten (Voraussetzung für das Inverkehrbringen von Saatgut) und den Sortenschutz, also den rechtlichen Schutz von neuen Pflanzensorten („Schutz des geistigen Eigentums“). Rechts- und Prüfungsgrundlagen für die Arbeit des Bundessortenamts sind das Saatgutverkehrsgesetz und das Sortenschutzgesetz.
Das Bundessortenamt wird von einem Präsidenten geleitet. Derzeitiger Präsident ist Udo von Kröcher.
Abouriou – Lexikonartikel
Die rote Rebsorte Abouriou wird vor allem in Südwest-Frankreich angebaut. Die Sorte ist wahrscheinlich eine autochthone Sorte der Départements Lot-et-Garonne und entstand als Sämling alter französischer Rebsorten unbekannter Herkunft. Numa Naugé, wohnhaft in Casseneuil, präsentierte sie 1882 der Öffentlichkeit und berichtete, dass der Sämling bereits 40 Jahre zuvor entdeckt worden sei. Abouriou ist der lokale Dialektname für den Ausdruck der frühen Reife.
Die Trauben sind mittelgroß, sehr kompakt, und die Farbe der Beeren ist schwarz. Sie sind rund und sehr saftig. Die frühreifende Sorte ist ertragsreich und pilzresistent. Der Wein ist tiefdunkel und verfügt über fruchtige Noten von Erdbeere, Himbeere und Johannisbeere; ihm fehlt jedoch die Säure. Der Bestand von Abouriou schwindet daher. Im Jahr 2007 wurden in Frankreich noch 388 Hektar Rebfläche erhoben (Quelle ONIVINS).
Sie ist in Rotweinen der AC Côtes du Marmandais und Vins d’Estaing sowie in mehreren Vin de Pays der Regionen Sud-Ouest und Loire zugelassen. In Australien und Kalifornien wird die Sorte ebenfalls angebaut. Hier führten die Synonyme Beaujolais bzw. Gamay Beaujolais zu einiger Verwirrung, da es leicht zu Verwechslungen mit der echten Gamay Rebe kam. Außerdem identifizierte Paul Truel von der Universität Montpellier die in Kalifornien als Early Burgundy bekannt Sorte als Abouriou. Im Jahr 2005 lag die bestockte Rebfläche mit der Sorte Cabernet Sauvignon allein in Kalifornien bei 138 acres (55 Hektar)
In Frankreich sind die Klone 603, 604 und 878 zugelassen.
Synonyme
Die rebsorte Abouriou ist auch unter den Namen Beaujolais, Early Burgunder oder Early Burgundy, Gamay Beaujolais, Gamay du Rhône, Loubéjac, Malbec argenté, Négret de la Canourgue, Noir hâtif, Pinotou, Plant Abouriou, Précoce Naugé, Précoce Noir und Pressac de Bourgogne bekannt.
Friedrich “Fritz” Zweigelt
Friedrich „Fritz“ Zweigelt (* 13. Januar 1888 in Hitzendorf; † 18. September 1964 in Graz) war ein österreichischer Botaniker, Entomologe und Rebenzüchter.
Zweigelt züchtete 1922 an der Weinbauschule Klosterneuburg die von ihm als Rotburger benannte Rebsorte.
Schon vor dem Anschluss 1938 war Zweigelt illegaler Nationalsozialist. 1938 übernahm er die Leitung der Weinbauschule Klosterneuburg, sein Vorgänger wurde zwangspensioniert, und ließ einen Schüler namens Josef Bauer, Mitglied der Widerstandsgruppe um den Klosterneuburger Chorherrn Roman Scholz, der Gestapo ausliefern.
Zweigelt wandte sich gegen Direktträger-Rebsorten, wodurch beispielsweise der Uhudler zu seinem schlechten Ruf kam.
Nach Kriegsende wurden Zweigelt die Direktorenstelle und seine 1943 verliehene Dozentur an der Hochschule für Bodenkultur entzogen. 1963 veröffentlichte er eine Autobiografie, in der er wenig Einsicht bezüglich seiner Vergangenheit erkennen ließ. Im Jahr 1975 wurde im Zuge der Qualitätsweinreben-Verordnung die zuvor von Zweigelt als „Rotburger“ benannte Rebsorte in „Zweigelt“ umbenannt.
2002 wurde zur Prämierung österreichischer Weine der „Dr. Zweigelt-Preis“ mit einer Porträt-Medaille eingeführt.
Schriften
- Blattlausgallen, 1931
- Der Maikäfer, 1928
- Der gegenwärtige Stand der Maikäfer Forschung, 1918
- Erster Mitteleuropäischer Weinkongreß, 1936
- Der kranke Obstgarten, 1934
Pierre Galet – Lexikonartikel
Pierre Galet (* 28. Januar 1921 in Monaco) ist einer der weltweit führenden Experten für Ampelographie.
Leben
Während seiner Beschäftigung in der Universität Montpellier École nationale supérieure agronomique de Montpellier (ENSAM) übernahm Galet dort die Leitung des Lehrstuhls für Weinbau. Galet wurde in den folgenden Jahren seiner Tätigkeit am Institut bis heute richtungsweisend auf dem Gebiet der Ampelographie.
Ab 1952 führte Pierre Galet einen neuen wissenschaftlichen Ansatz in seinem Fach ein. Er schuf ein System zur Klassifizierung von Reben anhand objektiver Merkmale und beschrieb damit 9600 verschiedene Rebsorten. Als renommierter Ampelograf hatte Galet weltweit Kontakte geknüpft, auch über politische Grenzen hinaus. Forschungsreisen führten ihn zudem nach Afghanistan, Nepal, Nordafrika, Nordamerika, Südamerika, Südkorea, Thailand und Zypern, wo er Wildreben und Hybriden anhand ihres Phänotyps beurteilte.
Für seine weltweit anerkannten Leistungen wurde er mit dem Titel „Officier de l´Ordre du Mérite Agricole“ und zahlreichen weiteren Ehrungen ausgezeichnet.
Sein Werk Dictionnaire encyclopédique des cépages, aus dem Jahr 2000 herausgegeben von Hachette, gilt als Standardwerk der Beschreibung von Rebsorten, es beinhaltet insbesondere präzise Illustrationen der Merkmalsausprägungen der Rebsorten.
Werke
- Maladies et Parasites de la Vigne 2 Bände 1977 + 1982
- Pierre Galet: Dictionnaire encyclopédique des cépages. Hachette Pratique, Paris 2000, ISBN 2-01-236331-8.
- Précis d’ampélographie pratique, Galet, 2001. ISBN 2902771029.
- Grands cépages, Hachette Pratique, coll. « Livret du Vin », 2006. ISBN 2012370810.
- mit Pierre Casamayor und Antoine Lebègue: Dictionnaire des vins de France, Hachette Pratique, coll. « Livret du Vin », 2001. ISBN 2012365825.
- Der Chardonnay. Ein Franzose und Weltbürger. in: Vinum. 8. Zürich 1987, 6, S. 26-28.
Ehrungen
- Officier de l´Ordre du Mérite agricole