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Jean-Antoine Chaptal – Lexikonartikel

Jean-Antoine Chaptal, Comte von Chanteloup (* 3. Juni 1756 in Nojaret, Lozère; † 30. Juli 1832 in Paris) war ein französischer Chemiker und Politiker.

Lehrtätigkeit

Chaptal, Sohn eines Apothekers, studierte bis 1777 Chemie in Montpellier. Im Jahre 1777 promovierte er in Chemie, bevor er nach Paris ging um dort zu lehren. 1781 wurde er an einen Lehrstuhl für Chemie an der Medizinischen Fakultät von Montpellier Languedoc berufen, wo er die Thesen Lavoisiers unterrichtete. Die Methode der Trockenzuckerung von Wein(Chaptalisation) zur Erzielung eines höheren Alkoholgehalts durch Zugabe von Zucker zum Traubensaft oder Most vor bzw. während der Gärung trägt seinen Namen.

Ökonomische Tätigkeit

Das Kapital, das ihm durch den Tod eines reichen Onkels zufiel, steckte er in den Aufbau eines chemischen Werkes zur Herstellung von Mineralsäuren, Alaun, Bleiweiß, Soda und anderer Substanzen. Sein Renommee beruht besonders auf den praktischen Anwendungen, die er insbesondere mit der Optimierung der Produktion der Salzsäure darlegte.

Seine praxisbezogenen Arbeiten wurden von der französischen Regierung wohlwollend beachtet. Man verlieh ihm den Adelsstand und das Band des Ordens von Saint Michel. Während der Französischen Revolution wurde er wegen der Veröffentlichung des Titels Dialogue entre un montagnard et un girondin arrestiert. Durch Intervention seiner Freunde wurde er jedoch rasch wieder freigelassen. Im Jahre 1793, übernahm er die Leitung der Salpeterwerke von Grenelle. Zwischen 1794 und 1797 arbeitete er erneut in Montpellier, und ging anschließend nach Paris.

Chaptal entwickelte seine Lehrsätze zur Weinherstellung von 1799 an. Er verfasste den Abschnitt Wein des Landwirtschaftswörterbuches von François Rozier. Wissenschaftler wie Cadet-de-Vaux und Jean-Louis Roard publizierten seine neue Doktrin mit ihren spezifischen Beobachtungen. Die Weinwirtschaft setzte seine Forschungsergebnisse unverzüglich um. Chaptal revolutionierte die Önologie und fasste seine Grundsätze 1807 in einem Buch zusammen.

Die erste Handelskammer im heutigen Deutschland wurde 1803 in Mainz auf Chaptals Beschluss vom 3 nivôse des Jahres IX (23 Dezember 1802) als Chambre de Commerce gegründet.

Politische Tätigkeit

Nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire VIII wurde er zum durch den Ersten Konsul Napoléon Bonaparte zum Konsul des Staates ernannt und folgte am 21. Januar 1801 Lucien Bonaparte als Minister des Inneren nach. Dies war der Anfang einer vollständigen Neuorganisation der öffentlichen Verwaltung. Er errichtete eine chemische Fabrik nahe Paris, eine Kunstschule und eine Industrievereinigung. Er reorganisierte die Hospitäler. Herausragend ist die Schaffung einer Hebammenschule, der Schule l’Hospice de la Maternité de Paris im Jahre 1802. Mit dem Chaptal-Erlass wurde die Umverteilung der napoleonischen Beutekunst geregelt.

Er führte das metrische System für Gewichte und Längenmaße ein und förderte Künste wie Wissenschaften. Napoleon verlieh ihm den Titel Comte de Chantelout und sowie das Großkreuz der Ehrenlegion. Chaptal demissionierte 1804, als Bonaparte sich zum Kaiser küren ließ, um sich seinen wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen.

Nach Napoléons Rückkehr von Elba, wurde Chaptal Arbeits- und Handelsminister, wurde aber zum Rückzug ins Privatleben gezwungen als der Kaiser abdanken musste. Sein Name wurde bis 1819 von der Liste der Freunde Frankreichs gestrichen. Trotzdem wurde Chaptal 1816 durch Ludwig XVIII. zum Mitglied der Akademie der Wissenschaften nominiert. Chaptals Verdienst war die Wissenschaft populär zu machen und die Entdeckungen der Chemie in Industrie und Landwirtschaft praktikabel anzuwenden.

Ruiniert durch die Schulden seiner Söhne, verkaufte er seinen Besitz 1823 und starb am 30. Juli 1832 in Armut.

Pierre-Marie-Alexis Millardet – Lexikonartikel

Pierre-Marie-Alexis Millardet (* 13. Dezember 1838 in Montmirey-la-Ville, Département Jura; † 15. Dezember 1902 in Bordeaux) war ein französischer Mediziner und Botaniker. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Millardet“.

Leben und Wirken

Millardet besuchte zunächst das Collège de l’Arc in Dole, später in Besançon. Danach studierte er Medizin sowie Naturwissenschaften an den Universitäten Freiburg und Heidelberg. Er kehrte anschließend wieder nach Frankreich zurück und wurde 1868 Professor für Botanik an der Universität Université de Strasbourg. 1870 wechselte er an die Université de Nancy.

1874 wurde er in einen Ausschuss berufen, der vom französischen Staat beauftragt war, die Ursachen der Reblauskrankheit der Reben sowie deren Bekämpfung aufzuklären. Millardet hatte erstmals vorgeschlagen, europäische Edelreiser auf Unterlagen aus amerikanischen Rebpflanzen zu pfropfen, um so den Generationswechsel der Reblaus zu stören.

1876 erhielt Millardet einen ruf auf den Lehrstuhl für Botanik an die Universität Bordeaux. Dort beschäftigte er sich mit der Züchtung von Rebhybriden und schuf dabei auch einige neue Unterlags-Reben. Durch einen Zufall entdeckte er die Bordelaise pulpe als Mittel gegen den falschen Mehltau, einer Pilzkrankheit, die aus Amerika eingeschleppt worden war und in einigen europäischen Wein-Anbaugebieten zu verheerenden Einbußen geführt hatte.

Millardet hatte bemerkt, dass die Rebstöcke eines Weingartens mit dieser Krankheit befallen waren, der benachbarte Weingarten jedoch nicht – wobei die Trauben dieser gesunden Rebstöcke von einer hellblauen Schicht bedeckt waren. Er befragte den Winzer und dieser meinte, dass er die Weintrauben mit einer Mischung von Kalkmilch und Kupfersulfat spritzte. Millardet entwickelte dieses Rezept zusammen mit seinem Chemie-Kollegen Ulysse Gayon weiter.

Im Gedenken an diese Entdeckung wurde Millardet 1902 in Bordeaux eine Bronzebüste aufgestellt.

Die Deutsche Weinkönigin – Lexikonartikel

10. März 2010 2 Kommentare

Die Deutsche Weinkönigin ist die auf ein Jahr gewählte Repräsentantin des deutschen Weines. Um das Amt bewerben sich die Gebietsweinköniginnen der mittlerweile dreizehn deutschen Anbaugebiete für Qualitätswein.

Geschichte

Anfänge

1931 kürte erstmals ein deutsches Weinbaugebiet, die Pfalz, eine Weinkönigin. Die Idee stammte von dem pfälzischen Verleger Daniel Meininger. Er persönlich bestimmte damals Ruth Bachroth aus Pirmasens in der Westpfalz, wo gar kein Wein angebaut wird, zur Weinkönigin. Ihre Nachfolgerin Cilly Seitz wurde dann 1932 erstmals gewählt. Bereits 1933 ging das Ritual in die Hände der nationalsozialistischen Machthaber über.

Weil die Pfälzische Weinkönigin deutschlandweit die einzige Weinkönigin war, repräsentierte sie bis 1939 und dann wieder von 1947 bis 1949 ohne zusätzliche Wahl in Personalunion neben dem pfälzischen auch allgemein den deutschen Wein. Auch 1949 gab es nur eine Wahlhandlung, aber im Anschluss an die Wahl wurde Elisabeth Kuhn aus Diedesfeld auch offiziell zur Deutschen Weinkönigin bestimmt, die damit einzige Pfälzische und Deutsche Weinkönigin in ein und demselben Jahr war.

Kriterien für die Kandidatur

Seit 1950 wird die Deutsche Weinkönigin in einer eigenen Wahl ermittelt: Jedes deutsche Anbaugebiete wählt alljährlich seine regionale Weinkönigin; aus der Mitte der Gebietsweinköniginnen wird im Folgejahr die Deutsche Weinkönigin gewählt. Bis 1999 galt die Bedingung, dass die Kandidatinnen ledig sein mussten – also weder verheiratet noch geschieden sein durften – und aus einer Winzerfamilie zu stammen hatten. Seit dem Jahr 2000 verlangen die Richtlinien von den Bewerberinnen lediglich noch eine „eindeutige und starke Verbundenheit mit deutschen Weinen“, nachzuweisen durch „eine entsprechende weinbezogene Berufsausbildung und/oder eine familiäre Bindung mit dem heimischen Weinbau und/oder die Qualifikation als Gebietsweinkönigin“. Außerdem müssen die Bewerberinnen am Tag der Wahl mindestens 18 Jahre alt sein.

Wandel der Anforderungen

Über 30 Jahre lang entsprachen die Weinköniginnen dem traditionellen Bild des hübschen, braven Mädchens in Tracht; nur das ursprüngliche Zepter wich 1966 einem Weinglas. Als „echte Töchter der Weinberge, von kräftiger Statur, kerngesund und apfelbäckig“ beschrieb 1950 etwa die Süddeutsche Zeitung die Kandidatinnen. Die Prüfungen bestanden damals unter anderem darin, einen Walzer zu tanzen und eine Rede zu halten.[2] Bis Ende der 1950er Jahre beschränkten sich die Repräsentationspflichten der deutschen Weinkönigin im Wesentlichen auf die inländischen Absatzmärkte. Es gab Auftritte bei Weinfesten, der Grünen Woche und gesellschaftlichen Ereignissen wie der Verleihung des Deutschen Weinkulturpreises. Auslandsreisen wie nach Belgien (Irmgard Mohler) oder Spanien (Wilma Seyer, später Scholl) blieben die Ausnahme. Der damalige Außenminister Heinrich von Brentano erkannte allerdings das diplomatische Potenzial für das Image der jungen Bundesrepublik, als er Wilma Seyer bei den von ihm angeregten Diplomatenweinwochen im Kloster Eberbach präsentierte. Bereits im darauffolgenden Jahr reiste mit der damals noch Pfälzischen und späteren Deutschen Weinkönigin Christel Koch erstmals eine Weinkönigin aus Deutschland in die USA.

In den 1980er Jahren begann sich das Bild der Weinkönigin in der Öffentlichkeit grundlegend zu wandeln, vor allem aufgrund des Auftretens von Persönlichkeiten wie Karin Molitor (1982/83) und Petra Mayer (1988/89). Im Jahr 1981 wurde das bis dahin für Fototermine obligatorische Dirndl abgeschafft. Ab den 1990er Jahren wurde das Amt für junge Winzerinnen und am Weinbau interessierte Frauen immer mehr zum Karrieresprungbrett in der Politik (Julia Klöckner), im Marketing (Katja Schweder, Evelyn Schmidt), in der Gastronomie (Carina Dostert) oder im eigenen Betrieb (Sandra Hake, Sylvia Benzinger). Ohne fundierte Fachkenntnisse sind Kandidatinnen heute chancenlos. Gutes Aussehen und Tanzbegabung sind keine ausschlaggebenden Gründe mehr, vielmehr werden neben fundierten Kenntnissen in Önologie und Kellertechnik auch Eloquenz und Schlagfertigkeit sowie Fremdsprachenbeherrschung und Exportwissen verlangt. Deshalb wurde 2009 in Neustadt an der Weinstraße ein Vorbereitungsseminar für die Kandidatinnen eingeführt.

Wahl

Orte

Inschrift am Neustadter Saalbau: Krönungsstätte der Deutschen Weinkönigin

Postnebenstempel von Neustadt an der Weinstraße: Krönungsstadt der Deutschen Weinkönigin

Die Wahl wird vom Deutschen Weininstitut (DWI) mit Sitz in Mainz veranstaltet; sie findet traditionell im Saalbau in Neustadt an der Weinstraße im Rahmen des Deutschen Weinlesefestes am Freitag des zweiten Festwochenendes im Oktober statt. Vom üblichen Wahlort kann aus wichtigen Anlässen abgewichen werden; die Wahlorte neben Neustadt an der Weinstraße waren:

  1. 1952 Freiburg im Breisgau
  2. 1954 Heilbronn
  3. 1957 Würzburg
  4. 1960 Bad Dürkheim
  5. 1963 Mainz
  6. 1966 Stuttgart
  7. 1969 Offenburg
  8. 1972 Stuttgart
  9. 1975 Stuttgart
  10. 1984 Trier
  11. 1988 Berlin
  12. 1993 Bad Neuenahr-Ahrweiler
  13. 1998 Freyburg (Unstrut)
  14. 2006 Dresden (800-jähriges Stadtjubiläum des bedeutendsten Ortes im Sächsischen Weinbaugebiet)
  15. 2009 Heilbronn

Am 19. Mai 2009 unterzeichneten das DWI und der Oberbürgermeister von Neustadt an der Weinstraße einen Vertrag, der Neustadt als Krönungsstätte bis zum Jahr 2020 festschreibt. Von dieser Regel darf höchstens dreimal pro Dekade abgewichen werden, „um auch anderen deutschen Weinbauregionen die Möglichkeit zu geben, mit der Krönung auf Sonderveranstaltungen und Jubiläen zu reagieren.“

Wahlmodalitäten

In letzter Zeit wurde der Wahlmodus mehrmals geändert. Alle 13 Gebietsweinköniginnen stellen sich nun zunächst einer öffentlichen Fachbefragung, die von etwa 70 Jurymitgliedern durchgeführt und von den Veranstaltungsgästen mitverfolgt wird. Von den 13 Kandidatinnen werden sechs nominiert, die im zweiten Durchgang während der feierlichen Galaveranstaltung Spontaneität, Charme und Witz beweisen müssen. Das SWR-Fernsehen überträgt die Befragungsrunde einen Tag später als Aufzeichnung, die Gala wird live gesendet.

Aus den sechs verbliebenen Kandidatinnen werden eine Königin und meist zwei, in seltenen Fällen auch drei Prinzessinnen gekürt. Während ihrer einjährigen Amtszeit bewerben Königin und Prinzessinnen den deutschen Wein auf Messen, Weinfesten und anderen Veranstaltungen, auch im Ausland.

Wahlergebnisse

Alle Deutschen Weinköniginnen seit 1949

#  ↓ Jahr  ↓ Weinkönigin  ↓ Lebensdaten  ↓ Alter bei
Amtsantritt  ↓
Weinbaugebiet  ↓ Herkunftsort  ↓
1. 1949/1950 Elisabeth Kuhn, später Gies 1930 19 Pfalz Diedesfeld
2. 1950/1951 Marie-Elisabeth Pütz, später Steffen 1925 25 Mosel-Saar-Ruwer (seit 2006 Mosel) Saarburg
3. 1951/1952 Gisela Koch     Mittelrhein St. Goarshausen
4. 1952/1953 Elisabeth Huber     Baden Neuweier
5. 1953/1954 Mathilde Machwirth     Nahe Guldental
6. 1954/1955 Erika Hofmann     Rheinhessen St. Johann
7. 1955/1956 Irmgard Mohler 1937–1981 18 Pfalz Bad Bergzabern
8. 1956/1957 Margret Hoffranzen, später Wilmes  ?–2002   Mosel-Saar-Ruwer Mehring
9. 1957/1958 Karoline Hartmann   18 Franken Rödelsee
10. 1958/1959 Rosemarie Schreck   24 Franken Klingenberg
11. 1959/1960 Wilma Seyer, später Scholl 1939 20 Rheingau Kiedrich
12. 1960/1961 Christel Koch   18 Pfalz Ungstein
13. 1961/1962 Marlies Kaiser   22 Rheinhessen Dintesheim
14. 1962/1963 Maritta Heinzen   19 Ahr Ahrweiler
15. 1963/1964 Inge Schwaab, später Heidenreich     Mosel-Saar-Ruwer Zeltingen
16. 1964/1965 Marita Bäuerlein   20 Franken Volkach
17. 1965/1966 Waltraud Hey   19 Pfalz Oberotterbach
18. 1966/1967 Ilse Theobald   22 Nahe Hochstätten
19. 1967/1968 Ruth Collet, später Kutz     Mosel-Saar-Ruwer Reil
20. 1968/1969 Brigitte Wolf   21 Franken Veitshöchheim
21. 1969/1970 Marika Gebhardt   19 Rheingau Martinsthal
22. 1970/1971 Erika Sinß   18 Nahe Windesheim
23. 1971/1972 Ruth Kröther   20 Pfalz Freinsheim
24. 1972/1973 Ulrike Seyffardt, später Neradt     Rheingau Martinsthal
25. 1973/1974 Ingrid Kurth   21 Ahr Bad Neuenahr-Ahrweiler
26. 1974/1975 Doris Emmerich 1954 20 Nahe Waldböckelheim
27. 1975/1976 Edelgard Bauer 1955 20 Nahe Kirschroth
28. 1976/1977 Friedlinde Gurr, später Gurr-Hirsch 1954 22 Württemberg Untergruppenbach
29. 1977/1978 Gisela Faber     Baden Freiburg
30. 1978/1979 Heike Schmitt   19 Rheinhessen Nierstein
31. 1979/1980 Rita Moog, später Moog-Fischer     Mosel-Saar-Ruwer Valwig
32. 1980/1981 Regine Usinger, später Usinger-Frank 1958 22 Rheinhessen Nackenheim, Weingut Gunderloch
33. 1981/1982 Hildegard Weber     Pfalz Gönnheim
34. 1982/1983 Karin Molitor, später Molitor-Hartmann 1962 20 Franken Sommerach
35. 1983/1984 Carola Geiger, später Geiger-Kaiser 1962 21 Württemberg Weinsberg-Grantschen
36. 1984/1985 Ursula Maur     Ahr Mayschoß
37. 1985/1986 Mechthild Meyer, später Weis 1962 23 Mosel-Saar-Ruwer Waldrach
38. 1986/1987 Helga Drauz, später Drauz-Oertel 1967 19 Württemberg Heilbronn
39. 1987/1988 Jutta Fassian, später Fassian-Emmrich     Mosel-Saar-Ruwer Mehring
40. 1988/1989 Petra Mayer 1966 22 Baden Schliengen
41. 1989/1990 Renate Schäfer 1968 21 Franken Astheim
42. 1990/1991 Birgit Schehl, später Rebholz-Schehl 1969 21 Pfalz Hainfeld
43. 1991/1992 Lydia Bollig, später Bollig-Strohm 1970 21 Mosel-Saar-Ruwer Trittenheim
44. 1992/1993 Astrid Bechtel 1972 20 Rheinhessen Worms-Heppenheim
45. 1993/1994 Sandra Hake 1970 23 Saale-Unstrut Freyburg
46. 1994/1995 Ulrike Neymeyer 1968 26 Baden Endingen
47. 1995/1996 Julia Klöckner 1972 23 Nahe Guldental
48. 1996/1997 Ines Hoffmann 1972 24 Sachsen Dresden
49. 1997/1998 Natascha Thoma, später Thoma-Widmann 1971 26 Baden Ebringen
50. 1998/1999 Susanne Völker, später Nett 1974 24 Rheinhessen Oppenheim
51. 1999/2000 Simone Renth, später Renth-Queins 1973 26 Rheinhessen Schwabenheim
52. 2000/2001 Carina Dostert, später Curman 1979 21 Mosel-Saar-Ruwer Nittel
53. 2001/2002 Petra Gärtner 1980 21 Hessische Bergstraße Zwingenberg
54. 2002/2003 Judith Honrath 1980 22 Nahe Langenlonsheim
55. 2003/2004 Nicole Then 1980 23 Franken Sommerach
56. 2004/2005 Petra Zimmermann 1984 20 Mosel-Saar-Ruwer Temmels
57. 2005/2006 Sylvia Benzinger 1978 27 Pfalz Kirchheim an der Weinstraße
58. 2006/2007 Katja Schweder 1980 26 Pfalz Hochstadt
59. 2007/2008 Evelyn Schmidt 1983 24 Sachsen Radebeul
60. 2008/2009 Marlies Dumbsky 1985 23 Franken Volkach
61. 2009/2010 Sonja Christ 1984 25 Mosel Oberfell

Evelyn Schmidt (2007/2008)

Katja Schweder (2006/2007)

Sylvia Benzinger (2005/2006)

Mechthild Meyer (1985/1986)

Häufigkeit der Wahl nach Weinbaugebieten

Königin aus dem Weinbaugebiet  ↓ Wahljahr  ↓ Anzahl  ↓
Ahr 1962, 1973, 1984 3
Baden 1952, 1977, 1988, 1994, 1997 5
Franken 1957, 1958, 1964, 1968, 1982, 1989, 2003, 2008 8
Hessische Bergstraße 2001 1
Mittelrhein 1951 1
Mosel-Saar-Ruwer (seit 2006 Mosel) 1950, 1956, 1963, 1967, 1979, 1985, 1987, 1991, 2000, 2004, 2009 11
Nahe 1953, 1966, 1970, 1974, 1975, 1995, 2002 7
Pfalz 1949, 1955, 1960, 1965, 1971, 1981, 1990, 2005, 2006 9
Rheingau 1959, 1969, 1972 3
Rheinhessen 1954, 1961, 1978, 1980, 1992, 1998, 1999 7
Saale-Unstrut (Teilnahme seit 1990) 1993 1
Sachsen (Teilnahme seit 1990) 1996, 2007 2
Württemberg 1976, 1983, 1986 3

Friedrich “Fritz” Zweigelt

Friedrich „Fritz“ Zweigelt (* 13. Januar 1888 in Hitzendorf; † 18. September 1964 in Graz) war ein österreichischer Botaniker, Entomologe und Rebenzüchter.

Zweigelt züchtete 1922 an der Weinbauschule Klosterneuburg die von ihm als Rotburger benannte Rebsorte.

Schon vor dem Anschluss 1938 war Zweigelt illegaler Nationalsozialist. 1938 übernahm er die Leitung der Weinbauschule Klosterneuburg, sein Vorgänger wurde zwangspensioniert, und ließ einen Schüler namens Josef Bauer, Mitglied der Widerstandsgruppe um den Klosterneuburger Chorherrn Roman Scholz, der Gestapo ausliefern.

Zweigelt wandte sich gegen Direktträger-Rebsorten, wodurch beispielsweise der Uhudler zu seinem schlechten Ruf kam.

Nach Kriegsende wurden Zweigelt die Direktorenstelle und seine 1943 verliehene Dozentur an der Hochschule für Bodenkultur entzogen. 1963 veröffentlichte er eine Autobiografie, in der er wenig Einsicht bezüglich seiner Vergangenheit erkennen ließ. Im Jahr 1975 wurde im Zuge der Qualitätsweinreben-Verordnung die zuvor von Zweigelt als „Rotburger“ benannte Rebsorte in „Zweigelt“ umbenannt.

2002 wurde zur Prämierung österreichischer Weine der „Dr. Zweigelt-Preis“ mit einer Porträt-Medaille eingeführt.

Schriften

  • Blattlausgallen, 1931
  • Der Maikäfer, 1928
  • Der gegenwärtige Stand der Maikäfer Forschung, 1918
  • Erster Mitteleuropäischer Weinkongreß, 1936
  • Der kranke Obstgarten, 1934

Pierre Galet – Lexikonartikel

 

Pierre Galet (* 28. Januar 1921 in Monaco) ist einer der weltweit führenden Experten für Ampelographie.

Leben

Während seiner Beschäftigung in der Universität Montpellier École nationale supérieure agronomique de Montpellier (ENSAM) übernahm Galet dort die Leitung des Lehrstuhls für Weinbau. Galet wurde in den folgenden Jahren seiner Tätigkeit am Institut bis heute richtungsweisend auf dem Gebiet der Ampelographie.

Ab 1952 führte Pierre Galet einen neuen wissenschaftlichen Ansatz in seinem Fach ein. Er schuf ein System zur Klassifizierung von Reben anhand objektiver Merkmale und beschrieb damit 9600 verschiedene Rebsorten. Als renommierter Ampelograf hatte Galet weltweit Kontakte geknüpft, auch über politische Grenzen hinaus. Forschungsreisen führten ihn zudem nach Afghanistan, Nepal, Nordafrika, Nordamerika, Südamerika, Südkorea, Thailand und Zypern, wo er Wildreben und Hybriden anhand ihres Phänotyps beurteilte.

Für seine weltweit anerkannten Leistungen wurde er mit dem Titel „Officier de l´Ordre du Mérite Agricole“ und zahlreichen weiteren Ehrungen ausgezeichnet.

Sein Werk Dictionnaire encyclopédique des cépages, aus dem Jahr 2000 herausgegeben von Hachette, gilt als Standardwerk der Beschreibung von Rebsorten, es beinhaltet insbesondere präzise Illustrationen der Merkmalsausprägungen der Rebsorten.

Werke

  • Maladies et Parasites de la Vigne 2 Bände 1977 + 1982
  • Pierre Galet: Dictionnaire encyclopédique des cépages. Hachette Pratique, Paris 2000, ISBN 2-01-236331-8.  
  • Précis d’ampélographie pratique, Galet, 2001. ISBN 2902771029.
  • Grands cépages, Hachette Pratique, coll. « Livret du Vin », 2006. ISBN 2012370810.
  • mit Pierre Casamayor und Antoine Lebègue: Dictionnaire des vins de France, Hachette Pratique, coll. « Livret du Vin », 2001. ISBN 2012365825.
  • Der Chardonnay. Ein Franzose und Weltbürger. in: Vinum. 8. Zürich 1987, 6, S. 26-28.

Ehrungen

  • Officier de l´Ordre du Mérite agricole

Ferdinand Oechsle – Lexikonartikel

 

Christian Ferdinand Oechsle, (* 26. Dezember 1774 in Buhlbach bei Baiersbronn; † 17. März 1852 in Pforzheim) war ein deutscher Mechaniker, Goldschmied und Erfinder.
Nach der von ihm entwickelten Methode zur Bestimmung des Mostgewichts wird bis heute in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg die Qualität des Traubenmostes in der Einheit Grad Oechsle gemessen.

 

Leben und Wirken

Nach einer Goldschmiedelehre in Öhringen siedelte Oechsle 1794 nach Pforzheim über und wurde dort 1800 Kabinettmeister in der Goldwarenfabrik von Dennig. 1803 heiratete er Karoline Gmelin. 1810 gründete er eine eigene mechanische Werkstätte, in der er vor allem Brücken- und Präzisionswaagen produzierte. 1820 bekam er vom Großherzog von Baden das Amt eines Großherzoglich-badischen Goldkontrolleurs übertragen.

Seine Erfindungen veröffentlichte er ab 1825 in Dinglers Polytechnischem Journal.

Oechsles Mostwaage

1836 erschien seine Arbeit Über den Gebrauch der Most- und Weinwaage in der er seine Methode zur Bestimmung der spezifischen Dichte im frisch gepressten Traubensaft beschrieb. Mit der Erfindung seiner Mostwaage, die er zusammen mit seinem Sohn Christian Ludwig entwickelt hatte, wird noch heute das Mostgewicht in °Oechsle gemessen.

Die Mostwaage an sich wurde bereits früher erfunden. Oechsles Erkenntnis „Wenn man den Zuckergehalt des Mostes messen könnte, müßte es möglich sein, die Entwicklung des auszubauenden Weines besser vorauszusehen“ führte ab den 1830er Jahren zur Serienherstellung von Oechsles Mostwaagen.

Oechsles Verdienst liegt vor allem darin, die praktisch anwendbare Gradeinteilung auf den Spindeln eingeführt zu haben und sein Messgerät durch Serienherstellung den Winzern zu Verfügung zu stellen.

Weitere Erfindungen waren eine Goldlegierungswaage (1838), eine Rechenmaschine für Bijouteriefabrikanten (1840), ein gefahrloses Knallgas-Gebläse für Lötarbeiten sowie Varianten des Lebensrads, eines Vorgängers des Kinematographen).

Zu Ehren dieser bedeutenden Erfindung für den Weinbau wird in Pforzheim seit 1986 jährlich Ende August bis Anfang September das mehrtägige Wein- Oechslefest gefeiert.

Mike Grgich

Mike Grgich ist wohl der unterschätzteste Kellermeister im Napa-Valley. Seine Familie besaß in Dalmatien eine kleine Weinkellerei. Grgich besuchte 1949 die Universität von Zagreb, wo er Weinbau und Önologie studierte. 1954 floh er als Student aus dem kommunistischen Jugoslawien nach Westdeutschland. Nach seinem Studium emigrierte er über Kanada nach Kalifornien.

Neun Jahre lang war er beim Weingut Beaulieu Vineyard(Artikel, Hompage) als Hauptchemiker für die Qualitäts-Kontrolle verantwortlich. In dieser Zeit war er auch gemeinsam mit dem legendären russischen Önologen André Tchelistcheff (1901-1994), Joe Heitz (1919-2000) und Robert Mondavi (* 1913) an den ersten in Kalifornien in großem Umfang durchgeführten Versuchen zur malolaktischen Gärung beteiligt.

1972 machte er sich mit einer Partnerschaft auf Chateau Montelena Winery im kalifornischen Napa Valley selbstständig. Mike Grgich gehörte zu den ersten Winzern, die den Zinfandel als Weißwein ausbauten (1972) (d.h. ohne Maischung mit den Beerenhäuten); dieser hat eine leicht rosa Farbe und wird „white zinfandel“ genannt.

Berühmte Weinprobe

Am 24. Mai 1976 versammelte der britische Weinhändler Steven Spurrier (Sommelier Master of Wine und Journalist) in Paris die renommiertesten französischen Weinexperten zu einem Test, der später berühmt gewordenen “Weinjury von Paris”. Es galt, kalifornische Cabernet Sauvignons und Chardonnays mit den besten Weinen aus Bordeaux und Burgund zu vergleichen.

Die Weinprobe verlief blind (zumindest halb blind): Die Experten wussten, welche Weine ihnen kredenzt wurden, aber die Reihenfolge wurde ihnen vorenthalten. Das Ergebnis war erstaunlich und stellte das Selbstbewußtsein der französischen Weinwelt als Produzenten der weltbesten Weine infrage: Bei den Rotweinen gewann der Stag’s Leap Wine Cellar, bei den Weißen der Chateau Montelena – beides 1973er Weine aus Kalifornien. Ein Reporter der Time, der bei der Probe zugegen war, trug die Kunde vom Sieg der US-Weine in die Heimat, wo die New York Times und die Washington Post die Nachricht begierig aufgriffen. Statistiker relativieren heute das Urteil von damals, nachdem sie sich die vollständig erhaltenen Wertungsbögen der Teilnehmer noch einmal genauer ansahen.

Dieser Erfolg seines Weines erlaubte Grgich, seine eigene Weinkellerei zu begründen, Grgich Hills Cellar in Rutherford, Kalifornien, der 365 Morgen (147 ha) Weingärten besitzt und jedes Jahr 80.000 Kisten Wein produziert. Sein erster Jahrgang gewann die Great Chardonnay-Kraftprobe vor 221 Mitbewerbern aus aller Welt.

Wein aus Kroatien

Als 1989 in Europas Osten die samtene Revolution ausbrach, ahnte keiner, dass dieser schon bald auch eine önologische folgen sollte. Viele alte Toplagen, die als Folge der Planwirtschaft zu Raps- und Maisfeldern umgewidmet worden waren, wurden als Weinbauflächen rekultiviert. 1996 kehrte Grgich zeitweise in seine dalmatinische Heimat zurück, um dort in einem schmucken Schlösschen auf der Insel Pelješac einige der besten Weine des neuen Ost-Weinbooms zu keltern. Die Plavac und Posip aus seiner Weinkellerei “Grgich Vina” werden als die teuersten Weine in Kroatien im Einzelhandel verkauft.

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